Kölner Stadtanzeiger: „Corona trifft Kölner Hotelkette Dorint“ - Ein Interview mit Dirk Iserlohe

Autor: Birgit Borreck
Kategorie HONESTIS AG in den Medien
Datum: 27 Mar, 2020

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Kölner Stadtanzeiger - Ein Interview mit Dirk Iserlohe

Köln - Herr Iserlohe, Hotellerie und Gastronomie sind aufgrund der Coronakrise in weiten Teilen geschlossen und verzeichnen massive Umsatzeinbrüche. Wie ist die Lage in der Dorint Gruppe?
Der Beginn der Krise lässt sich für die Branche mit der Absageder weltgrößten Reisemesse ITB in Berlin festmachen. Damit wurde ein Domino-Effekt ausgelöst. Nun kommen die Anordnungen des Gesetzgebers hinzu, die die touristische Nutzung untersagen und in manchen Städten - wie jetzt in Weimar, Köln und Bonn - den gesamten Betrieb. So haben auch wir den Zusammenbruch des Hotelmarktes zu verzeichnen.

Wie viele Häuser sind denn noch geöffnet?
Die meisten Häuser, da wir entschieden haben erst zu schließen, wenn der Gesetzgeber dies vorgibt. Das führte auch dazu, dass wir die Hotels und Resorts auf Sylt, Usedom, Rügen und Wustrow ebenfalls schließen mussten. Die meisten unserer über 60 Häuser stehen aufgrund der massiven Einschränkungen nahezu leer.

Wer bucht denn überhaupt noch?
Wir dürfen nur noch Buchungen von Geschäftsreisenden entgegennehmen, die nachweislich einen Termin an dem jeweiligen Standort haben. Das sind im Zuge der Krise allerdings nur noch vereinzelte, da ja die meisten ihre persönlichen Geschäftstermine freiwillig absagen oder die Firmen das Reisen untersagen. Unsere Häuser bewegen sich also in Richtung 'Null-Buchungen'. Wir versuchen daher alle Kostenblöcke - und das sind im Monat fast 22 Millionen Euro - ebenfalls in Richtung Nullzu bewegen. Doch die Hotelbranche hat leider schlechtere Bedingungen, als zum Beispiel das produzierende Gewerbe, das die Produktion runterfahren und sich dann möglicherweise über Nachholeffekte teilweise erholen kann. Jede Nacht, die wir jetzt nicht verkaufen, lässt sich überhaupt nicht mehr verkaufen. Der Umsatz ist auf Dauer verloren.

Müssen Sie sich von Mitarbeitern trennen?
Wir haben mit dem Betriebsrat ein Lösung gefunden, indem wir zu 100 Prozent auf Kurzarbeit gehen. Wir zahlen dabei leider keine Selbstbeteiligung. Dafür werden wir keine betriebsbedingten Kündigungen aussprechen und versuchen, alle Arbeitsplätze zu retten. Ich werde mich aber auf jeden Fall als mittelbarer Mehrheitsgesellschafter dafür einsetzen, dass dieser Schaden in zukünftigen Perioden aus möglichen Gewinnen - zumindest teilweise - ausgeglichen wird. Unmittelbar in der Dorint Gruppe betroffen sind rund 2.500 Mitarbeiter, mit Management- und Franchise-Partners sind es ungefähr 4.500.

Können Sie das wirtschaftliche Ausmaß des Schadens schon ungefähr erahnen?
Wir haben das Jahr 2019 sehr gut abgeschlossen, sogar leicht über unserer Gewinnerwartung, außerdem haben wir die Gruppe mit einer Kapitalerhöhung gestärkt. So beläuft sich unser Eigenkapital auf 79 Millionen Euro. Bis zum 29. Februar lief bei uns alles auf Plan. In der aktuellen Situation können wir allerdings - wie alle Unternehmen - den Faktor Zeit nicht einschätzen. Aber eins steht fest: Das Jahr 2020 wird mit hohen Verlusten abgeschlossen werden müssen.

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Tags: Corona-Virus Dirk Iserlohe Dorint