Fuldaer Zeitung: „Ein Trojanisches Pferd“

Autor: Birgit Borreck
Kategorie HONESTIS AG in den Medien
Datum: 19 Aug, 2020

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Fuldaer Zeitung - Gastkommentar: „Ein Trojanisches Pferd

Dirk Iserlohe warnt vor den Bürgschaftskrediten des Corona-Konjunkturpakets der Bundesregierung, in denen er die Gefahr einer Insolvenzverschleppung sieht.

Ein redlicher Unternehmer, der sich vor der Coronakrise stets erfolgreich einsetzte, musste innerhalb von einer Woche – an den Iden des März 2020 – erkennen, dass sich sein ganzes Lebenswerk auflöst. So geht es Hoteliers, Gastronomen, Einzelhändlern, der Messe-, Kunst- und Event-Branche. Kaum begriffen, dass sich seine Geschäftsgrundlage verändert, hörte er den dumpfen Schlag der Bazooka aus Berlin. Das Angebot war verlockend, die Geldlücke groß und die Bank musste nur 10 Prozent des Risikos übernehmen. Zum ersten Mal in der Geschichte wurden auf der Basis von Bürgschaftskrediten riesige Verluste abgedeckt. War es ein kurzer Moment der Erleichterung oder verspürte er im Unterbewusstsein nicht doch schon die Angst, ob er den Kredit zeitgerecht zurückzahlen kann? Wird eine zweite Welle kommen oder gar ein weiterer Lockdown? Gedanken, die dem Unternehmer vor dem Einschlafen durch den Kopf gehen, aber am nächsten Morgen zugunsten des Wiederaufbaus verdrängt werden.

Bei der Verdrängung möchte die Politik nun helfen. Unsere Bundesjustizministerin Christine Lambrecht möchte, nachdem der „Wumms“ im März erfolgte, nun den „Bumms“ im Oktober verhindern. Bevor also am 30. September die Antragspflicht zur Insolvenz wegen der Überschuldung wieder einsetzt, will sie den Unternehmern diese Sorge nehmen und diesen Termin auf den 31. März 2021 verschieben.

Halten wir einen Moment inne und vergegenwärtigen uns, was hier geschieht. Verluste, die in einem gigantischen Ausmaß und in keinem Verhältnis zum Vorjahresgewinn stehen, mindern bei vielen Unternehmen das Eigenkapital derart, dass es unmöglich wird, innerhalb von den berühmten zwei Jahren eine Fortführungsprognose aufzuzeigen. „Macht doch nichts“, sagt der Bundeswirtschaftsminister: „Wir wollen, dass möglichst kein Unternehmen in Deutschland aufgrund der Corona-Epidemie in die Insolvenz gehen muss.“

Und jetzt kommt Troja ins Spiel. Die Kredite, die teils für sechs bis zehn Jahre gewährt wurden, helfen zwar, die Löcher zu stopfen, weshalb diese auch in panischer Eile von den Unternehmern abgerufen wurden. Was machen wir aber jetzt mit dem negativen Eigenkapital? Man muss wissen: Wenn heute schon die Erkenntnis besteht, dass in zwei Jahren das Eigenkapital immer noch nicht auf der „richtigen“ Seite bilanziert werden kann, muss heute Insolvenz angemeldet werden. Da wirkt doch der so angepriesene Kredit wie ein Trojanisches Pferd, aus dem die Insolvenzverwalter und Staatsanwälte kriechen, um zu beenden und zu bestrafen, was der redliche Kaufmann während des „Wumms“ nicht im Blick hatte.

In der Insolvenz hat der Unternehmer nun viel Zeit nachzudenken, was er denn falsch gemacht haben könnte. Nichts. Nur hätte er gleich Schluss machen müssen, denn was haben unsere Großeltern uns gelehrt. „Gib nie eine Bürgschaft, sondern, wenn du helfen willst, gib gleich das Geld.“ Das wäre eine richtige Bazooka gewesen; gefüllt mit verlorenen Zuschüssen für unverschuldete Verluste.

Der deutsche, nun insolvente Unternehmer wird sich in Kürze aber noch wundern, dass der europäische Kollege sogar noch Kredite von Europa beziehen darf, da die meisten westliche Nachbarn den Überschuldungstatbestand als Insolvenzgrund gesetzlich nicht verankert haben.

Liebe Frau Lambrecht: Es wäre so einfach, aufzuheben, statt auszusetzen, und schon wäre es in Europa etwas harmonischer.

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Tags: Corona-Virus Dirk Iserlohe